In drei visuell und musikalisch brilliant verknüpften Episoden, wird in 147 Minuten - am Beispiel eines Hirnforschers der Gegenwart, einer Fotografin am Anfang der 1970er Jahre und der ersten Marburger Biologiestudentin 1908 - über ein Jahrhundert verfolgt, welche Auswirkung die Wahrnehmung der Natur auf die Begegnung mit sich selbst und den anderen hat.
Für den Neurowissenschaftler Chiu-wai aus Honkong ist die Messung von Gehirnströmen alltägliche Arbeit. Als Gastprofessor in Marburg findet er sich in der Corona-Zeit vor leeren Sitzen im Hörsaal und auch einsam im Garten der Universität. Konfrontiert mit dem geschichtsträchtigen Ginkgo legt er diesem seine Messinstrumente an. Was denkt der Baum? Die Frage bleibt unbeantwortet. Aber sie steht weiterhin im Raum, nicht nur für Naturwissenschaftler.
1972 Flower-Power-Zeit. Hannes gehört eher weniger zu den politisch Aktiven unter den Mitstudierenden. Dennoch freundet er sich mit Gundula an. Sie vertritt die Auffassung, dass auch Pflanzen Gefühle haben. Die intensivere Betrachtung einer Geranie öffnet ihm eine unbekannte Gedankenwelt und löst eine zarte Liebesgeschichte aus.
1908 ist Grete die erste und einzige Frau, die in Marburg zum Biologiestudium zugelassen wird – ein Fremdkörper im Hörsaal. Aber eine Frau mit Mut und einer Leidenschaft für Fotografie. Auf ihren Bildern entdeckt sie in den Strukturen der Pflanzen geometrische Ordnungen, ein verborgenes Regelwerk – möglicherweise eine Verbindung zwischen pflanzlichen und menschlichem Leben.
Obwohl der Film immer wieder zwischen den verschiedenen Zeitebenen wechselt – deutlich gemacht durch die verschiedenen technischen Möglichkeiten der jeweiligen Zeit von schwarz-weiß über Multicolor bis HD – fügen sich die Erzählungen mit dem Ginkgo als Zentrum zu einem atmosphärischen Ganzen.
Die Filmkritikerin der Hessenschau urteilt:
Wer glaubt, er habe im Kino schon alles gesehen, den dürfte der in Marburg gedrehte "Silent Friend" eines Besseren belehren. Der Film ist magisch, komisch und überaus sinnlich, kurz: Er ist schon jetzt (Jan.2026) der Film des Jahres.
„Sofakino e.V.“ ist ein gemeinnütziger Verein. Der Besuch der Veranstaltungen ist kostenfrei – Spenden sind willkommen.
Die nächste Vereinsveranstaltung ist am Freitag, dem 31.7. 2026.
@text
Properties